Tödlicher Unfall im „Kindergartenwald“ Sponheim vom 27.04.2010.

Tödlicher Unfall im „Kindergartenwald“ Sponheim vom 27.04.2010. - Abschluss der Ermittlungen


Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach hat beim Amtsgericht Bad Kreuznach den Erlass von Strafbefehlen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperver- letzung gegen einen 54 Jahre alten Forstwirt sowie zwei 45 und 25 Jahre alte Erzieherinnen beantragt. Gegen einen 25 Jahre alten Waldarbeiter wurde das Verfahren eingestellt.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen hatte der Waldarbeiter am 19.04.2010 an einer Böschung einen etwa 20 m langen und 2 Tonnen schweren, ungerade gewachsenen Buchenstamm, der mehrere Krümmungen aufwies, auf zwei quer liegenden Stämmen unterschiedlichen Umfangs abgelegt, wobei die Endstücke des Stammes jeweils etwa 4 m überstanden. Der nicht zu widerlegenden Einlassung des Waldarbeiters zufolge lag der Baumstamm zu diesem Zeitpunkt fest auf dem Boden auf, da er noch nicht gänzlich von Wurzeln und Ästen befreit war.

Am 26.04.2010 sägte der Forstwirt die etwa 4m überstehenden Enden des Stammes ab. Zuvor hatte er auf der rechten Seite lediglich einen dünnen Ast  als Keil unter den aufliegenden Stamm geklemmt, um dessen Abrollen zu verhindern.

Am 27.04.2010 begaben sich die Erzieherinnen mit 18 Kindern des Kindergartens Sponheim in den Gemeindewald, um den dort neu angelegten „Kindergartenwald“ zu pflegen. Nach einem gemeinsamen Frühstück und dem Gießen der von den Kindern gepflanzten Setzlinge wurde der Gruppe das „freie Spielen“ im Wald gestattet.

Daraufhin setzten sich vier Kinder nebeneinander auf den oben beschriebenen Buchenstamm. Kurz vor dem geplanten Aufbruch forderte eine Erzieherin sie auf, von dem Baumstamm herunterzukommen. Durch die darauf folgende Aktivität der Kinder geriet der quer aufliegende Stamm in Bewegung und rollte hangabwärts. Aufgrund der Drehbewegung des Stammes fielen die Kinder vornüber auf den Boden und wurden überrollt. Während zwei Kinder sich hierbei eine Platzwunde am Kopf beziehungsweise eine Quetschung des Knöchels zuzogen und ein Kind sogar unverletzt blieb, weil der Stamm sie infolge seiner Krümmung in der radialen Bewegung nicht gänzlich erfasste, wurde ein Mädchen von dem geraden Teil des Stammes überrollt und getötet.

Gegen den Forstwirt wird der Vorwurf erhoben, den Baumstamm, der nach seiner Kürzung eine instabile Lage hatte, nicht ausreichend gesichert zu haben. Den Erzieherinnen wird eine Verletzung der ihnen obliegenden Aufsichtspflicht zur Last gelegt.



Wolfram Papenbreer

Stellvertretender Leitender Oberstaatsanwalt


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